THG-Quote 2026: Kommt die neue Regel wirklich oder fallen die Prämien wieder?

  • 2026-03-30
Blauer Mercedes-Benz SUV an Ladestation


Die aktuell hohen THG-Prämien wirken für viele wie ein Zeichen, dass sich der Markt erholt. Tatsächlich steckt dahinter vor allem eine Erwartung. Eine neue gesetzliche Regelung soll den Markt verändern. Das Problem ist nur: Diese Regel lässt auf sich warten. Und genau das kann für die kommenden Monate entscheidend sein.



Worum geht es bei der THG-Novelle überhaupt?

Die sogenannte THG-Novelle ist eine geplante Anpassung des deutschen Gesetzes. Damit wird eine EU-Vorgabe umgesetzt, die unter dem Namen RED III bekannt ist. Für E-Auto-Fahrer bedeutet das vereinfacht: Der Staat will den THG-Markt stabiler machen und vor allem fairer gestalten. Im Kern geht es um zwei Dinge.



Betrug soll gestoppt werden

In den letzten Jahren gab es große Probleme mit fragwürdigen Projekten, vor allem im Ausland. Dadurch sind viele Zertifikate in den Markt gekommen, die keinen echten Klimanutzen hatten. Die Folge war klar: zu viel Angebot, zu wenig Vertrauen, sinkende Preise. Die neue Regel soll genau hier ansetzen und solche Fälle deutlich reduzieren.


Die Nachfrage soll steigen

Gleichzeitig sollen Unternehmen, die fossile Kraftstoffe verkaufen, stärker verpflichtet werden, CO₂ einzusparen. Das bedeutet: Sie brauchen mehr THG-Quoten. Und das sorgt grundsätzlich für steigende Preise.



Warum steigen die THG-Prämien gerade wieder?

Viele sehen aktuell höhere Prämien und denken, der Markt habe sich nachhaltig erholt. Das ist nur teilweise richtig. Die Realität ist einfacher: Der Markt rechnet mit der neuen Regelung. Anbieter halten sich teilweise zurück. Käufer sichern sich frühzeitig Positionen. Das Angebot wirkt knapper, als es eigentlich ist.


Wichtig zu verstehen: Die aktuellen Preise basieren nicht auf stabilen Marktbedingungen. Sie basieren auf Erwartungen.



Das Problem: Die Entscheidung verzögert sich

Eigentlich war geplant, dass die Gesetzesänderung bereits vor Kurzem im Bundestag beschlossen wird. Konkret hätte die zweite und dritte Lesung stattfinden sollen, danach die Zustimmung im Bundesrat. Dieser Zeitplan wurde jedoch nicht eingehalten. Die nächste reguläre Sitzung des Bundesrats findet erst wieder im Mai statt. Damit verschiebt sich die Entscheidung automatisch weiter nach hinten.


Das hat eine wichtige Konsequenz: Je später das Gesetz beschlossen wird, desto größer wird das Risiko, dass es nicht mehr rückwirkend zum 1. Januar 2026 in Kraft treten kann. Wenn diese Rückwirkung entfällt, würde die neue Regelung faktisch erst ab 2027 greifen.



Warum verzögert sich die Entscheidung?

Offiziell gibt es keine klare Begründung für die aktuelle Verzögerung. Im Markt kursieren jedoch unterschiedliche Einschätzungen.


Fachliche Gründe

Ein Teil der Beobachter geht davon aus, dass es noch offene Detailfragen im Gesetz gibt. Dabei geht es zum Beispiel um die genaue Ausgestaltung der Regeln und Kontrollmechanismen. Das wäre ein typischer Grund für Verzögerungen bei solchen Vorhaben.


Politisches Umfeld und Energiepreise

Andere Stimmen sehen die Gründe eher im politischen Umfeld. Hintergrund ist die aktuelle geopolitische Lage und die Entwicklung der Ölpreise.

Die THG-Quote führt indirekt zu Kosten für Mineralölunternehmen, die teilweise an den Kraftstoffpreis weitergegeben werden können. Einige Marktteilnehmer vermuten daher, dass die Entscheidung hinausgezögert wird, um zusätzlichen Druck auf den Spritpreis zu vermeiden.


Wichtig ist: Dafür gibt es keine offizielle Bestätigung.



Warum das jetzt kritisch wird

Mit jeder weiteren Verzögerung steigt die Unsicherheit im Markt. Und diese Unsicherheit hat direkte Auswirkungen.

Erwartungen werden fragiler. Marktteilnehmer reagieren vorsichtiger. Preise können schneller kippen. Die aktuell hohen Prämien stehen daher auf keinem stabilen Fundament.


Szenario 1: Die neue Regel kommt

Wenn die THG-Novelle in den nächsten Monaten beschlossen wird, stabilisiert sich der Markt. Betrug wird reduziert. Die Nachfrage steigt nachhaltig. Der Markt wird berechenbarer. In diesem Fall können die Prämien auf einem höheren Niveau bleiben.


Szenario 2: Die Regel kommt zu spät oder nicht

Das ist das zentrale Risiko. Wenn sich alles weiter verzögert oder die Rückwirkung entfällt, kippt die Situation. Dann passiert typischerweise:

Das Vertrauen im Markt sinkt. Das Angebot steigt wieder. Die Preise geraten unter Druck. Der Grund ist einfach: Die strukturellen Probleme bleiben bestehen. Es gibt zu viele Zertifikate und zu wenig echte Nachfrage. In diesem Fall wären die aktuell hohen Prämien nur ein kurzfristiger Effekt.



Was bedeutet das konkret für die Prämien?

Ohne eine wirksame Reform ist die wahrscheinlichste Entwicklung: Der Markt bewegt sich wieder auf das Niveau der letzten Jahre. Das bedeutet grob: Etwa 65 bis 130 Euro pro Elektroauto, abhängig von Anbieter und Zeitpunkt. Das entspricht dem Niveau, das viele bereits aus schwächeren Jahren kennen.



Was sollten E-Auto-Fahrer jetzt beachten?

Die wichtigste Erkenntnis ist: Die aktuellen Prämien sind nicht garantiert. Sie hängen stark von politischen Entscheidungen ab. Sie können sich schnell verändern. Timing spielt eine größere Rolle als viele denken. Wer heute hohe Prämien sieht, sollte das nicht automatisch als neuen Standard verstehen.



Fazit

Die geplante THG-Novelle soll den Markt stabilisieren und Betrug reduzieren. Sie ist der entscheidende Faktor für dauerhaft höhere Prämien. Aktuell ist sie jedoch verzögert. Je später die Entscheidung fällt, desto größer wird das Risiko, dass sich die hohen Prämien nicht halten lassen und sich der Markt wieder am alten Niveau orientiert. Die derzeit hohen Auszahlungen sind daher eher eine Momentaufnahme als ein verlässlicher Trend. Wer aktuell von hohen THG-Prämien profitieren möchte, sollte nicht darauf setzen, dass sich die politische Lage kurzfristig klärt.