THG-Prämie 2026: Wie hoch ist die Auszahlung, was treibt den Preis?

Die THG-Prämie schwankt jährlich um mehrere hundert Euro pro Fahrzeug, weil sie nicht gesetzlich festgelegt ist, sondern dem Quotenpreis am CO₂-Markt folgt. Halter, die wissen wollen, womit sie rechnen können, brauchen kein Versprechen, sondern die Mechanik dahinter. Dieser Artikel erklärt, was den Auszahlungsbetrag antreibt, warum Nutzfahrzeuge mehr bringen als Pkw und welcher Unterschied zwischen Garantiepreis und Marktauszahlung den größten Hebel hat.


Wie hoch ist die THG-Prämie 2026?

Es gibt keinen festen Betrag. Die THG-Prämie pro E-Auto hängt davon ab, was Mineralölkonzerne für eine Tonne eingesparter CO₂-Emissionen zahlen – und dieser Preis bewegt sich täglich.

Seit Einführung der Halterauszahlung 2022 war die Preisentwicklung turbulent: Spitzenwerte von bis zu 400 Euro für Pkw in den Jahren 2022 und früh 2023, gefolgt von einem starken Rückgang bis auf unter 100 Euro Ende 2024. Zum Start des Quotenjahres 2026 hat der Markt deutlich angezogen. Aktuelle Garantiepreise liegen je nach Anbieter bei 200 bis über 300 Euro für einen M1-Pkw (Stand April 2026).

Wer eine konkrete Zahl will, muss aktuelle Angebote vergleichen. Anbieter unterscheiden sich nicht nur im Auszahlungsmodell (Garantiepreis oder Marktpreis), sondern auch in der Marge, die sie für Bearbeitung und Vermarktung einbehalten. Pauschale Werbeaussagen wie „bis zu X Euro" sind in der Regel die obere Spitze des aktuellen Markts oder Vorjahreswerte – nicht der garantierte Tagespreis.

Für Nutzfahrzeuge fällt die THG-Prämie deutlich höher aus als für Pkw, weil das Umweltbundesamt höhere Stromverbrauchswerte zugrunde legt. Ein E-Lkw kann ein Vielfaches dessen einbringen, was ein elektrischer Kleinwagen bringt. Konkrete Zahlen brauchen immer einen aktuellen Quotenpreis und die genaue Fahrzeugklasse.


So berechnet sich die THG-Prämie

Die Formel hat drei Variablen:

Quote × Quotenpreis × Anbieteranteil = Auszahlung

Die Quote in Tonnen CO₂-Äquivalent wird vom Umweltbundesamt nach Fahrzeugklasse festgelegt. Sie hängt vom angenommenen Stromverbrauch pro Jahr ab, nicht vom tatsächlich gefahrenen Verbrauch. Für einen M1-Pkw ergibt sich für 2026 ein Schätzwert von rund 746 kg CO₂ – das UBA setzt dafür pauschal 2.000 kWh Jahresstromverbrauch an. Ein N1-Fahrzeug bekommt einen höheren Wert, ein schwerer Lkw deutlich mehr.

Der Quotenpreis entsteht am Markt zwischen Quotenanbietern (Halter, vertreten durch Vermarkter wie Elektrovorteil) und Quotenkäufern (Mineralölunternehmen, die ihre gesetzliche Reduktionspflicht erfüllen müssen). Dieser Preis schwankt täglich, mit teils starken Bewegungen über das Jahr.

Der Anbieteranteil ist die Marge des Vermarkters: Antragsbearbeitung beim UBA, Vorfinanzierung, Marktrisiko. Anbieter mit Sofortauszahlung haben in der Regel höhere Margen als solche mit Marktauszahlung, weil sie das Preisrisiko tragen.

Wer zwei Angebote vergleicht und für dasselbe Fahrzeug unterschiedliche THG-Prämien sieht, sieht Margenunterschiede oder verschiedene Auszahlungsmodelle – nicht unterschiedliche Quoten. Die Quote pro Fahrzeugklasse ist gesetzlich identisch.


Was den Preis der THG-Prämie am Markt bewegt

Der Quotenpreis wird durch Angebot und Nachfrage bestimmt.

Angebotsseite: Jedes neu zugelassene E-Auto erhöht die verfügbare Quotenmenge. Mit dem Hochlauf der Elektromobilität ist das Angebot seit 2022 stark gewachsen. Wenn das Quotenvolumen schneller steigt als die gesetzliche Reduktionsquote der Mineralölkonzerne, fällt der Preis – und damit die Auszahlung.

Nachfrageseite: Mineralölunternehmen müssen jedes Jahr einen gesetzlich vorgegebenen Anteil ihrer CO₂-Emissionen einsparen. Diese Reduktionsquote steigt schrittweise – von 10,6 Prozent in 2025 auf 12,1 Prozent in 2026. Der Bundestag hat Ende April 2026 beschlossen, die Quote bis 2040 auf 65 Prozent anzuheben. Eine steigende Reduktionsquote treibt den Quotenpreis nach oben.

Politische Eingriffe: Die Bundesregierung kann Mehrfachanrechnungen erlauben oder streichen, die Reduktionsquote anpassen oder alternative Erfüllungswege für Mineralölkonzerne öffnen oder schließen. Das neue Gesetz zur Weiterentwicklung der THG-Quote (in Kraft seit April 2026, setzt EU-Richtlinie RED III um) schließt Schlupflöcher bei der Biokraftstoff-Anrechnung: Importe, die mutmaßlich falsch als „fortschrittlicher Biokraftstoff" deklariert wurden und den Markt 2023/2024 geflutet hatten, können künftig nur noch angerechnet werden, wenn Vor-Ort-Kontrollen möglich sind. Das stärkt die Nachfrage nach E-Auto-Quoten strukturell.

Halter haben auf den Quotenpreis keinen Einfluss. Sinnvoll ist die Wahl des Auszahlungsmodells und des Anbieters – nicht das Timing innerhalb des Jahres.


THG-Prämie nach Fahrzeugklasse: Warum N-Klassen mehr bringen

Die Höhe der THG-Prämie ist nicht vom Hersteller oder Modell abhängig, sondern von der Fahrzeugklasse laut Zulassungsbescheinigung.

Klasse M1 (Pkw): Alle E-Autos für Personenbeförderung bis 9 Sitze. Hier liegt die Masse aller Anträge. Schätzwert 2026: 746 kg CO₂.

Klasse N1 (leichte Nutzfahrzeuge bis 3,5 t): Transporter, kleine Lieferwagen. Höher angesetzte Quote als M1 – die Auszahlung fällt entsprechend höher aus.

Klasse N2 (mittlere Nutzfahrzeuge 3,5 bis 12 t): Mittelschwere Lkw, kommunale Fahrzeuge. Deutlich höhere Quote.

Klasse N3 (schwere Nutzfahrzeuge über 12 t): Schwere E-Lkw. Höchster Schätzwert im gesamten Pkw-/Lkw-Spektrum.

Klasse M3 (Busse über 5 t): Elektrobusse. Ebenfalls deutlich höhere Quote als Pkw, je nach Größe vergleichbar mit N3.

Klasse L (E-Zweiräder und -Vierräder): Quotenberechtigt sind nur zulassungspflichtige Fahrzeuge mit Zulassungsbescheinigung Teil I. Kleinkrafträder der Klassen L1e, L2e sowie zulassungsfreie Leichtkrafträder (z. B. L3e-A1) sind seit der Gesetzesänderung 2023 ausgeschlossen – sie erhalten nichts. Zulassungspflichtige E-Motorräder ab L3e-A2 aufwärts sowie L7e bekommen die gleiche THG-Prämie wie ein M1-Pkw.

Der Hintergrund ist der angenommene Jahresstromverbrauch. Schwere Fahrzeuge verbrauchen mehr Strom, ersetzen mehr Diesel, sparen mehr CO₂ – und bekommen entsprechend mehr Quote zugesprochen.

Für Flottenbetreiber heißt das: Eine Mischflotte aus Pkw und Transportern bringt im Schnitt deutlich mehr pro Fahrzeug ein als eine reine Pkw-Flotte. Wer einen E-Lkw oder E-Bus betreibt, sollte Konditionen mit Anbietern direkt verhandeln – der Standardtarif für Pkw bildet das Potenzial dieser Fahrzeuge nicht ab.


Garantiepreis vs. Marktauszahlung: Zwei Modelle, eine Entscheidung

Anbieter zahlen die THG-Prämie nach einem von zwei Grundmodellen aus. Die Wahl entscheidet über Höhe, Zeitpunkt und Risiko.

Garantiepreis: Der Anbieter nennt bei Antragstellung einen festen Betrag und überweist die Auszahlung – nach Zertifizierung durch das UBA – unabhängig vom späteren Marktpreis. Der Halter trägt kein Risiko. Nachteil: Der Garantiepreis liegt unter dem möglichen Marktpreis, weil der Anbieter eine Risikoprämie einpreist.

Marktauszahlung: Der Halter erhält den tatsächlich am CO₂-Markt erzielten Preis abzüglich der Anbietermarge. Vorteil: kein Risikoabschlag. Nachteil: Wartezeit und Preisrisiko. Sinkt der Markt, sinkt die Auszahlung.

Zu beachten: Die Zertifizierung durch das Umweltbundesamt dauert aktuell rund 5 bis 7 Monate. Erst danach kann der Anbieter verkaufen. Wer eine Sofortauszahlung wählt, zahlt dafür einen Abschlag, weil der Anbieter das Vorfinanzierungsrisiko trägt.

Welches Modell passt, hängt von Liquiditätsbedarf und Markteinschätzung ab. Wer keine Risiken eingehen möchte, nimmt den Garantiepreis. Wer auf einen weiter steigenden Quotenpreis setzt und die Wartezeit aushält, nimmt die Marktauszahlung. Eine belastbare Prognose gibt es nicht – und der Markt zeigt im April 2026 erste Druckzeichen durch das steigende E-Auto-Angebot. Für die meisten Privathalter ist der Garantiepreis die rationalere Wahl.

Mischmodelle wie „Garantie plus Nachzahlung bei höherem Marktpreis" sind selten und meist mit Bedingungen versehen, die die Nachzahlung in der Praxis unwahrscheinlich machen. Wer so ein Angebot sieht: Auszahlungsbedingungen im Vertrag lesen, nicht in der Werbung.


Warum die THG-Prämie 2022, 2024 und 2026 so unterschiedlich war

Drei Phasen erklären die Preisentwicklung seit Einführung der Halterauszahlung.

Phase 1 (2022 bis Mitte 2023): Knappes Angebot, hohe Nachfrage. E-Autos waren noch selten, die Pflicht der Mineralölkonzerne neu. Die THG-Prämie erreichte in dieser Phase Spitzenwerte. Diese Werte sind die Grundlage für viele „bis zu"-Versprechen, die heute noch in der Werbung auftauchen.

Phase 2 (Mitte 2023 bis Ende 2024): Das Quotenangebot wuchs schneller als die Nachfrage. Gleichzeitig fluteten Mineralölkonzerne den Markt mit Biokraftstoffen aus Drittländern – Importe, die laut Branchenrecherchen und parlamentarischen Anfragen mutmaßlich falsch als „fortschrittlicher Biokraftstoff" deklariert waren. Strafverfolgungsanträge wurden gestellt; das Staatsanwaltschaftsverfahren wurde jedoch eingestellt. Der Markteffekt war trotzdem real: Die Auszahlungen fielen stark, Ende 2024 lagen sie teils unter 100 Euro.

Phase 3 (ab 2025/2026): Das neue THG-Quotengesetz schließt die Biokraftstoff-Schlupflöcher. Die Reduktionsquote stieg von 10,6 auf 12,1 Prozent, der Bundestag hat Ende April 2026 den Pfad bis 65 Prozent im Jahr 2040 beschlossen. Die THG-Prämie hat sich erholt: Garantiepreise von 200 bis über 300 Euro sind zum Jahresstart 2026 realistisch. Ob das hält, entscheiden die Zulassungszahlen – das erste Quartal 2026 war ein Rekordquartal, dieses Zertifikatvolumen trifft im Jahresverlauf auf den Markt.

Für Halter gilt: Aktuelle Angebote sind weder mit den Tiefstständen von 2024 noch mit den Spitzenwerten von 2022 vergleichbar. Wer eine Werbung mit hohen oder niedrigen Beträgen sieht, sollte als erstes das Datum prüfen.


Wie hoch ist eine realistische THG-Prämie? Drei Faustregeln

Aktuell vergleichen, nicht Vorjahre googeln. Die THG-Prämie schwankt stark. Ein Anbietervergleich ist nur am Tag der Einholung aussagekräftig.

Garantiepreis als Messlatte. Was ein seriöser Anbieter als Garantiepreis nennt, ist sein kalkulierter Mindestbetrag minus Risikoabschlag. Das ist der Betrag, auf den man sich verlassen kann.

„Bis zu"-Versprechen kritisch lesen. Was in der Werbung steht, ist selten der garantierte Betrag. Der steht im Vertrag.

Frist nicht verpassen. Anträge müssen spätestens bis zum 31. Oktober beim Anbieter eingereicht sein, damit dieser sie bis 15. November beim Umweltbundesamt einreichen kann. Eine versäumte Frist ist weg – eine Nachholung für das vergangene Quotenjahr gibt es nicht.

Für Privathalter mit einem Pkw lohnt der Aufwand eines Anbieterwechsels kaum, sobald ein Garantiepreis-Anbieter gewählt ist. Für Flottenbetreiber mit mehreren Fahrzeugen oder N-Klassen-Fahrzeugen lohnt direkter Kontakt zum Anbieter – hier sind individuelle Konditionen verhandelbar.


Häufige Fragen zur THG-Prämie

Wie hoch ist die Auszahlung für Tesla, VW ID.3 oder Hyundai Kona? Die THG-Prämie ist nicht modell-, sondern fahrzeugklassenabhängig. Tesla Model 3, VW ID.3 und Hyundai Kona Elektro fallen alle in Klasse M1 und bekommen damit dieselbe Quote. Unterschiede kommen vom Anbieter und vom Tagespreis am Quotenmarkt, nicht vom Modell.

Warum bekommt mein Nachbar mehr THG-Prämie als ich? Drei Gründe: unterschiedliche Anbieter mit unterschiedlichen Margen, unterschiedliche Auszahlungsmodelle (Garantie vs. Markt), unterschiedliche Fahrzeugklassen. Innerhalb derselben Fahrzeugklasse beim selben Anbieter zum selben Zeitpunkt sind die Beträge identisch.

Lohnt sich Warten auf eine höhere Auszahlung? Nein. Der Anspruch verfällt jährlich – wer keinen Antrag stellt, verliert das Geld für dieses Jahr komplett. Quotenpreise lassen sich nicht zuverlässig prognostizieren. Sinnvoll ist jährliche Antragstellung mit jährlich neuem Anbietervergleich.

Bekomme ich für mein Elektromotorrad eine THG-Prämie? Kommt auf die Fahrzeugklasse an. Zulassungspflichtige E-Motorräder ab L3e-A2 aufwärts erhalten die gleiche Auszahlung wie ein M1-Pkw. Kleinkrafträder der Klassen L1e und L2e sowie zulassungsfreie Leichtkrafträder sind seit 2023 vollständig ausgeschlossen – sie erhalten nichts.